Mofa fahren in der Schule

Mobilität ist eine unverzichtbare Fähigkeit zur Teilhabe an unserer Gesellschaft und sicheres Verhalten im Straßenverkehr, eine wichtige Voraussetzung dafür. Darum findet sich in dem Lehrplan für unsere Schüler der Bereich Verkehrserziehung als ausgewiesenes Unterrichtsfach. Wie kann das in der Unterrichtswirklichkeit auf angemessene Weise umgesetzt werden? Neben dem Einüben richtiger Verhaltensmuster als Rollstuhlfahrer, Fußgänger, Radfahrer oder Teilnehmer am öffentlichen Nahverkehr ist die unabhängige, motorisierte und individuelle Fortbewegung ein wichtiges und wünschenswertes Ziel. Der Anfang dafür könnte der Erwerb des Mofaführerscheins sein.

Wie sieht es mit der Motivation der Schüler aus? Wollen sie denn überhaupt Mofa fahren? Und was sagen die Schüler dazu?

Mit großem Elan stürzen sich die interessierten Schüler in die Mofaausbildung, stellen dann nach kurzer Zeit fest, dass Mofa fahren auf dem Schulhof zwar großen Spaß macht, die Theorie aber ausdauerndes Lernen bedeutet. Die Fragen des Übungsprogramms sind aber auch zu vertrackt. Entwickelt die Vorder- oder die Rückbremse mehr Bremskraft? Wer kennt schon die vielen Verkehrsregeln? Wer weiß schon, wie ein Mofa technisch funktioniert?

Also liegt es wohl auf der Hand, die Ausbildung zum Erwerb des Mofaführerscheins in den Unterricht an einem AG-Nachmittag zu integrieren. Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden? Das entsprechende Lehrmaterial muss bereit gestellt werden und geeignete Übungsprogramme finden sich im Internet. Ein Mofa, solide Integralhelme und Handschuhe wurden in dankenswerter Weise vom Förderverein zur Verfügung gestellt.

Eine riesige Menge an theoretischem Wissen für ein erfolgreiches Abschneiden in der Prüfung ist nötig. Zum Bestehen dürfen es maximal sieben Fehlerpunkte im sein. Da heißt es büffeln, bis der Kopf raucht. Der ein oder andere Mofainteressent hat zwar schon frustriert aufgegeben, doch die meisten haben die theoretische Prüfung geschafft. Die praktische Prüfung wird schulintern nach einem festgelegten Protokoll absolviert. Hier fällt keiner durch, weil die praktischen Fahrübungen immer mit hohem Eifer und größter Genauigkeit ausgeführt werden. Aber auch der technische Teil der Ausbildung, das Schrauben am Mofa, das Auswechseln der Zündkerze, das Überprüfen von Reifendruck, Tankfüllung, Bremsen und Beleuchtung findet großen Anklang und niemand schreckt davor zurück, sich die Hände schmutzig zu machen.

Wie sich nach einiger Zeit zeigt, erweisen sich die neuen Mofafahrer als verantwortungsbewusste und rücksichtsvolle Verkehrsteilnehmer. Die Jugendlichen berichten nun von einem viel unabhängigeren Leben. Sie treffen häufig ihre Freunde und kennen kaum noch Langeweile. Katharina erzählt: „Ich bin mit meinem neuen Mofa jeden Tag zu meinem Berufspraktikum gefahren. Mit dem Bus wäre es viel umständlicher gewesen und hätte auch viel länger gedauert.“ Auch Sven, der mittlerweile ein sicherer Mofafahrer ist, meint: „Mit meinem Mofa bin ich viel unterwegs. Es macht mir einfach Spaß, in der Gegend rumzufahren.“

Es scheint so, als seien die jungen motorisierten Verkehrsteilnehmer reifer und verantwortungsbewusster geworden, auf jeden Fall aber haben sie ein Stück Lebensqualität und Unabhängigkeit hinzugewonnen. Durch die neu erworbene Mobilität bieten sich den jungen Menschen mehr Möglichkeiten der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft.