40 Jahre Ernst-Klee-Schule

LINK: Foto-Galerie (Padlet)

Inhaltsverzeichnis

1  Frau Schunicht (Rektorin): Wie alles begann

2  Anja Rottmann (Schülerin): Erinnerungen an meine Schulzeit

3  Frau von Helmolt (Sonderschullehrerin): Eine lebendige Schule

4  Frau Holtermann (Sekretärin): Interview 

5  Jenny Stille und Familie: Unsere Zeit an der Ernst-Klee-Schule             -am: 06. März 2021

6  Herr Bäcker (Pflegekraft): Interview                                                           -am: 13. März 2021


Maria Holtermann - Sekretärin von 1980-2014

Sie war lange Zeit eine der ‚Seelen unserer Schule‘ - Von morgens bis mittags immer ansprechbereit, immer freundlich – und sie konnte fast immer weiterhelfen: Maria Holtermann - unsere Sekretärin. Sie hat viel erlebt und auch ‚ausgehalten‘. Hier ihre Erinnerungen an diese Zeit.

 

Wo hast du gearbeitet, bevor du zur Ernst-Klee-schule gekommen bist?

Ich habe bis zur Geburt unserer ersten Tochter in der Gemeindeverwaltung in Mettingen gearbeitet und war dann 1 ½ Jahre nicht berufstätig.

 

Wie bist du zur Ernst-Klee-schule gekommen? Und wann war das?

Als ich meine Tätigkeit bei der Gemeinde Mettingen aufgegeben habe, hatte ich verlauten lassen, dass ich gerne stundenweise arbeiten möchte. Diese Möglichkeit wollte mir die Gemeinde Mettingen nicht geben. 

Der Landschaftsverband Westf.-Lippe hatte für die Besetzung der Stelle der Schulsekretärin bei der Gemeindeverwaltung Mettingen angefragt, ob sie jemanden kennen. Daraufhin hat mich mein damaliger Abteilungsleiter bei der Gemeindeverwaltung angesprochen und auf diese Stelle hingewiesen. Ich habe mich dann beim LWL beworben und bin zum 01.08.1980 als Schulsekretärin eingestellt worden.

 

Was ist das Erste, an das du dich noch erinnern kannst (Schüler, Kollegen, Vorkommnisse?)

Voller Erwartung kam ich am Freitag, 01.08.1980 zur „Westf. Schule für Körperbehinderte“ und ….niemand war da: weder Schüler noch Lehrer; auch kein Hausmeister war zu finden. Ich stand vor verschlossenen Türen. In einem Telefonat mit der Schul- und Internatsverwaltung wurde mir dann mitgeteilt, dass ich meine Arbeit erst am 1. Schultag nach den Sommerferien aufnehmen solle. 

Also kam ich am 04.08.1980 zur Schule und lernte zunächst Frau Schunicht als Schulleiterin und das Lehrerkollegium kennen, ebenso den Hausmeister Herrn Etgeton.

Die Schüler trafen mit Schulbussen ein und nun war Muskelkraft gefragt: Schüler*innen im Rollstuhl mussten über die Treppe in die erste Etage getragen werden, weil der Aufzug noch nicht betriebsbereit war.

 

Wie sah die Schule im ersten Jahr aus? (Klassenraum, Gebäude, Möbel, Lehrmittel)

Die Klassen-, Therapie- und Pflegeräume befanden sich alle im rechten, neueren Gebäudeteil der ehemaligen Agathaschule.

Das Schulleitungsbüro, das Sekretariat sowie das Lehrerzimmer befanden sich im Erdgeschoss.

Der linke Teil des Hauses mit der Kapelle standen zum größten Teil leer. Einige Räume wurden vom Schifferkinderheim Hörstel genutzt. Aus der dort befindlichen Küche erhielten auch unsere Schüler*innen ihre Mittagsmahlzeit.

 

Wie viele Kinder und Erwachsene wart ihr am Anfang?

Zu Beginn des 1. Schuljahres 1980 besuchten 19 Schüler*innen die Schule. Zum Kollegium gehörten neben Frau Schunicht noch 4 Lehrerinnen, 1 Krankengymnastin, 1 Hausmeister, meine Stelle (mit 2 Stunden täglich) sowie ab 1.9.1980 1 Kinderkrankenpfleger. Am 1.2. des nächsten Jahres wurde auch die Stelle des Beschäftigungstherapeuten (heute „Ergotherapeut“) besetzt.

 

Wie hat sich in den Folgejahren die Arbeit verändert? Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass sich die Schule deutlich verändert hat?

Im Laufe der Jahre wuchs die Schülerschaft und das Kollegium. Das Schulgebäude wurde umgebaut und es waren immer mehr Klassenräume und Therapieräume erforderlich. Die Aufgaben im Sekretariat wurden vielfältiger. Es fiel wesentlich mehr Schreibarbeit (Briefe, Gutachten, Abrechnungen) an und es wurde ein Computer angeschafft. Der Schriftverkehr wurde nicht mehr mit der Schreibmaschine erledigt. 

Nach Auflösung des Schifferkinderheimes wurde das Mittagessen vom St. Elisabeth-Hospital und später als Tiefkühlkost von Apetito geliefert.

Die Bestellungen für die einzelnen Klassen wurden ab diesem Zeitpunkt vom Sekretariat aufgenommen und an die Wirtschaftsküche weitergeleitet.

Durch die Zunahme der Schülerzahlen wuchs auch der Schülerspezialverkehr und damit verbunden waren auch viele Telefonate mit den Beförderungsfirmen.

 

Gibt es ein besonderes Erlebnis aus den ersten Jahren, an das du gerne zurückdenkst?

Zur Feier des 10jährigen Schuljubiläums hatten die Nachbarn einen Kranz gebunden und die ganze Schulgemeinde hat ein schönes Fest gefeiert. Im Anschluss daran mussten noch einige Kollegen*innen die Wirtschaftsküche aufzuräumen und dabei hatten wir noch viel Spaß.  Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Fördervereins haben wir gesungen und viele „ Dönkes“ erzählt.

 

Gab es vielleicht auch einen Vorfall, an den du nicht gerne zurückdenkst?

Ja: Beim Hochtragen der Rollstühle über die Treppe am ersten Schultag hat sich die Kollegin, mit der ich einen Rollstuhl trug, einen Finger geklemmt und war sehr sauer!!!  und ich hatte lange ein schlechtes Gewissen.

 

Du hattest ja viel mit uns Lehrkräften zu tun. Womit haben wir dich richtig genervt?

Während ich konzentriert meine Schreibarbeiten  (Gutachten, Abrechnungen etc.) erledigen musste oder Telefonate führen musste, haben sich einige Kollegen in meinem Büro laut angeregt unterhalten oder ich sollte meine Arbeit unterbrechen, um umgehend irgendeinen Schlüssel heraus zu geben.

 

Hast du zwischendurch einmal daran gedacht, eine andere Stelle anzunehmen?

Nein, zu keinem Zeitpunkt! Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht und ich konnte es mir gar nicht vorstellen, etwas anderes zu tun.

 

Was war für Dich das Besondere an der Ernst-Klee-Schule?

Es war damals mein erster näherer Kontakt mit Kindern mit Behinderten und ich habe schnell gelernt, ganz unbefangen mit ihnen umzugehen.

 

Wenn Du an Deine Zeit an der Ernst-Klee-Schule zurückdenkst, was bleibt im Gedächtnis hängen?

Das freundliche Miteinander mit allen Schüler*Innen und Kollegen*Innen und die Freude an meiner Arbeit.

Frau von Helmolt - Sonderschullehrerin an der Ernst-Klee-Schule von 1980-2015

Eine lebendige Schule

Erinnerungen an besondere Momente vor 30 und mehr Jahren

Als ich hörte, dass anlässlich des 40. Jubiläums der Ernst-Klee-Schule Beiträge für die Website gesucht würden, tauchten bei mir sofort Erinnerungen auf.

Keine Erinnerungen an den Unterricht mit Lesen, Rechnen und Schreiben, sondern ganz andere Erlebnisse und Eindrücke wurden wieder lebendig.

Kurz vor der Schuleröffnung am 1. August1980 bekam ich einen Anruf von dem Schulrat aus dem Steinfurter Schulamt. Für die neue Schule in Mettingen gäbe es bereits eine Schulleiterin, zwei Erzieherinnen, eine Vorschullehrerin, eine Physiotherapeutin, eine Sekretärin, eine Hauswirtschafterin und einen Hausmeister. Nun käme ich als Sonderschullehrerin noch dazu und würde hiermit für die erste Konferenz am Freitag vor der kommenden Schuleröffnung eingeladen. Da alles in Bewegung sei und auch die Handwerker noch viel zu tun hätten, solle ich am besten einen Besen zum Putzen mitbringen, damit wir alles für die Schuleröffnung vorbereiten könnten.

Alles lief wie geplant: Am1. August kamen unsere ersten 18 Schülerinnen und Schüler und wir starteten gleich mit drei Klassen. In meiner Klasse standen bereits Schülertische und Stühle. Schränke gab es noch nicht und deshalb legten wir alles, was wir für unsere Ausstattung bereits zusammengestellt hatten, sorgfältig geordnet auf den Fußboden.

Alle waren hoch motiviert und in den nächsten Wochen arbeiteten wir

„rund um die Uhr“. Alles wuchs von Tag zu Tag und wir entwickelten viele neue Strukturen. Die häufigen Konferenzen gingen oft über mehrere Stunden und sogar an einem Wochenende arbeiteten wir mal an der Nordsee, um unser Förder- und Schulkonzept zu entwickeln.

Die Schule war schon damals sehr vielfältig aufgestellt. So wurde das Schulgebäude auch von einer ausgelagerten Klasse der Don-Bosco-Schule und von einer Klasse mit Schifferkindern aus dem Schiffer-Kinderheim benutzt. Um die Schifferkinder gab es immer ein kleines Geheimnis, auf dem Schulhof begegneten wir uns nie, vielleicht fanden wir uns auch gegenseitig ein wenig exotisch. Die Pflanzbereiche und Hecken des Schulhofes waren für unsere

Schülerinnen und Schüler die Chance, sich in selbst gestalteten Höhlen und Gängen ein wenig Eigenständigkeit, ganz praktische Lebenserfahrungen und auch kleine Momente mit Aufregung und Abenteuer zu verschaffen. Das Wort

Recycling war noch ein Fremdwort, nicht aber die sinnvolle Wieder-verwendung von Rohstoffen. So wurden die Essensresten aus unserer Schulküche der Krankenhausküche zugeführt und im nächsten Schritt an Mettinger Schweine verfüttert.

Ein ganz besonderer Schatz der neuen Schule war unser großer Schulgarten, eine idyllische Obstwiese, auf der heute etliche Häuser stehen. Dort konnten wir mit unserer Klasse einen kleinen Garten anlegen, uns in den Pausen in den Schatten unter Apfelbäume legen und im Herbst Obst ernten. Auch in der Klasse wurde es sehr lebendig. Manche Zimmerpflanzen hatten eine Höhe von zwei Metern und es gab Meerschweinchen, die von einem Schüler an den Wochenenden mit nach Hause genommen wurden.

Um mit den neuesten Erkenntnissen für die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit schweren Behinderungen vertraut zu sein, fuhr ich mit meiner Teampartnerin Gunhild für drei Tage in das Fröhlich-Zentrum nach Rheinland-Pfalz. Uns leuchtete sofort ein, dass alle Förderangebote zunächst über die Sinne gehen müssen und die Welt und alle Erkenntnisse nur über praktische Alltagshandlungen erfahren werden können.

So planten wir dann mit sehr viel Mut und Leidenschaft unsere erste Klassenfahrt. Wir hatten ein altes Heuerhaus in Holdorf gemietet. Ein Haus mit engen Türen und so einigen Barrieren. Das hielt uns aber nicht davon ab, dort eine Woche als Selbstversorger einschließlich einer Heuernte verbringen zu wollen. Die Pflege und Versorgung unserer einzigen Schülerin und der übrigen sechs Schüler sowie Kochen, Tischdecken und Spülen forderte uns total. Unsere Mahlzeiten fanden notgedrungen oft sehr spät statt, aber es schmeckte uns immer gut und alle wurden satt.

Da auch die Heuernte ursprünglich und hautnah ablaufen sollte, hatte ich vorher geübt, mit einer Sense zu mähen. Das Holdorfer Gras erwies sich leider als wenig zart und verlangte dann zusätzlich zum Heben, Tragen und Lagern unserer Schüler den vollen Einsatz meiner letzten Körperkräfte. Aber der Wettergott verwöhnte uns in dieser Woche und nach ein paar Tagen duftete das Heu großartig.

Die Natur wollten wir auch einer anderen späteren Klasse ganz unmittelbar zugänglich machen. Wir planten einen Picknick-Ausflug mit Fahrrädern und Rollstühlen in den Mettinger Muckhorst. Das Wetter war an einem Tag im Frühsommer sehr schön, alles grünte und blühte und fanden wir an einem Wegesrand eine schöne Wiese.

Wir breiteten unsere Decken aus und nachdem alle einen gemütlichen Lagerplatz gefunden hatten sahen wir, wie am anderen Ende der großen Wiese plötzlich eine Rinderherde im Galopp auf uns zulief. Blitzschnell gab es die Ansage: Lauft, krabbelt und alle anderen schnell in die Rollstühle. Wir schafften es auch, unser Picknick-Equipment zu retten und beschlossen, zur Schule zurückzukehren und dort zu essen.

Unser Weg führte über eine abschüssige Straße, welche direkt auf einen Bauernhof zulief. Wir hatten unserer Klasse ja gesagt, dass alles ganz schnell gehen müsse und so nahm ein Schüler dann die Füße von den Pedalen seines Dreirades herunter und gewann immer schneller an Tempo, direkt auf die Hofmauer zu. Unsere Rufe nutzten nichts, das Rad war schneller als die Rinderherde zuvor. Aber Michael Bäcker war noch schneller und konnte das Dreirad kurz vor der Hofmauer einholen und stoppen.

Obwohl wir mit Ausflügen und Klassenfahrten ja viele Erfahrungen gesammelt hatten, blieben wir solchen Aktionen treu, auch wenn wir wussten, dass wir nach solchen täglichen 16-Stunden-Einsätzen in der Regel völlig erschöpft waren. Manchmal wünschten uns Eltern bei der Abreise auch einen schönen Urlaub.

Die Herausforderungen verlagerten sich, wenn wir z.B. mit einer Oberstufen-klasse unterwegs waren. Dann gab es auch in den Abendstunden spannende Unternehmungen, die schon mal mit Überraschungen enden konnten. So wurde die Aufzugfahrt am Wittenbergplatz für eine kleine Gruppe eine ziemliche Herausforderung. Mitten zwischen Ober- und Erdgeschoss stockte der Aufzug und es ging nicht mehr weiter. Über den Notruf erfuhren wir, dass es mit der Hilfe länger dauern könne, da es ja schon fast 22.00 Uhr sei. Im engen Aufzug wurden dann Überlegungen angestellt, ob wir überhaupt wohl noch herauskommen könnten. Wir bräuchten nun auch mehr Platz im Aufzug, auch die Luft würde uns irgendwann ausgehen und dann noch ein eindringliches: Ich muss p…….

Intuitiv entwickelte ich verschiedene Strategien zur Deeskalation. Nach einer halben Stunde ging die Fahrt dann weiter und der Berliner Monteur meinte wenig erfreut: Warum steigt ihr auch mit mehreren Leuten in diesen Aufzug…….

Einmal fuhren wir mit zwei Klassen für eine Woche nach Emden und zu unserem Programm gehörte auch eine Hafenrundfahrt in einem kleinen Passagierschiff. Ich saß mit einigen Schüler direkt hinter dem Steuerbord und fragte den Kapitän, ob es kompliziert sei, ein solches Schiff zu lenken. Er sagte, das wäre sehr einfach und ich solle die Chance doch ergreifen. Ein wenig ungläubig, aber auch neugierig, übernahm ich dann das Steuerrad. Ein Schüler fragte mich sehr aufgeregt: Ey, willst du das wirklich machen? Vielleicht wollte ich unbewusst versuchen, meine Wasserangst zu bewältigen. Sehr schnell merkte ich, wie das Schiff anfing, ein wenig zu schlingern, erst ganz zart - fast wie Autofahren auf einer vereisten Straße - und dann so, dass evtl. alle denken konnten, in Emden würde nun ein stärkerer Wellengang einsetzen. Als meine Steuerbemühungen und auch die Wellenbewegungen zunahmen, legte sich zum Glück die Hand des Kapitäns auf das Steuer. Er lachte herzhaft, kommentarlos, und ich setzte mich schnell wieder auf meinen Passagiersitz. 

So gab es bis zum Ende des letzten Jahrtausends viele Situationen und Erfahrungen, die mir sicher immer in Erinnerung bleiben werden und heute vermutlich undenkbar wären.

Das Leben mit unseren Kindern und Jugendlichen verlief manchmal unmittelbarer und aufregender, weniger virtuell und sehr real, weniger reglementiert und trotzdem genauso fördernd und sicher wie heute. Überraschungen, Freude und Spaß kamen dabei auch nicht zu kurz.

Agnes von Helmolt

Anja Rottmann - Schülerin von 1980-1992

Erinnerung an meine Schulzeit

Erinnerung an meine Schulzeit.mp3

Erinnerung an meine Schulzeit

Am 4. August 1980 ging die heutige Ernst-Klee-Schule mit 18 Schülern, 6 Lehrern und Therapeuten an den Start.

An diesem Tag begann für mich, Anja Rottmann, als einer der ersten Schülerinnen dieser Schule, der sogenannte Ernst des Lebens. Mit dem Puppenspiel „Kasper und das Krokodil“ wurden wir von Claudia Schunicht und von ihrem Team, das aus sechs Lehrern und Therapeuten bestand, begrüßt.

Unser Klassenzimmer lag im ersten Stock. Wir waren die Eingangsklasse, kurz E-Klasse genannt. Jede/r Schüler/in hatte ihren/seinen eigenen Tisch, nur die Tafeln waren noch nicht da. Die ersten Wörter, die wir dann doch auf einer rollenden Tafel geschrieben haben, waren Oma und Opa.

In den folgenden elf Schuljahren wurden wir nicht nur in der gesamten Klasse, sondern auch in kleinen Gruppen unterrichtet. Die ersten Klassenausflüge waren 81/82 nach Rheine und Münster in die Tierparks. Unsere erste große Klassenfahrt, die über drei Tage ging, erlebten wir in Vechta. Unsere weiteren Klassenfahrten machten wir nach Grou in Holland, Schillig an die Nordsee, ins Sauerland und nach Hellenthal.

Zu unserem Klassenhit ‚Marmor, Stein und Eisen bricht‘ tanzten wir im Oktober 87. Es war die erste Klassenfete mit Übernachtung in der Schule. Zu einigen künstlerischen Auftritten kam es 91/92 bei zwei Playbackshows, die vor Eltern und Freunden im Lehrerzimmer durchgeführt wurden.

Im August 1990 begann für uns die Berufsvorbereitung. Um einen kleinen Einblick in die Berufswelt zu bekommen, gingen wir am 27. August für einen Vormittag in verschiedene Betriebe in Mettingen.

Auf meinen Wunsch hin tauschte ich mit einer Mitschülerin und ging nicht zur Post, sondern in den Supermarkt (Comet). Dass dieser Tag für mein weiteres Leben sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht sehr auschlaggebend war, wurde mir erst später bewusst.

 Unsere zwei Praktika, die jeweils drei Wochen waren, machten wir im November 91 und 92. Beide Praktika machte ich im Einzelhandel, bei Comet und Marktkauf. Durch die beiden Praktika habe ich erst meinen Ausbildungsplatz und meinen heutigen Arbeitgeber gefunden.

Auf zur Abschlussfahrt nach Berlin ging es im Mai, darauf folgte die Schulentlassung am  3. Juli 1992. Im DRK-Heim Mettingen feierten wir mit einem lachenden und weinenden Auge abends mit Eltern, Lehrern und Freunden eine große Party.

Bei unseren Treffen, die auch heute noch regelmäßig mit einigen ehemaligen Mitschülern und Lehrern stattfinden, erinnern wir uns noch gerne an die Schulzeit, die besonders für uns war.


Frau Schunicht - Schulleiterin von 1980-2006

Wie alles begann

Wie alles begann.mp3

Wie alles begann

1. Predigen

Bevor der Schulbetrieb am 4. 8. 1980 in dem behindertengerecht umgebauten Räumen des nördlichen Gebäudeteils der ehemaligen Agatha-Schule in Mettingen startete, bat mich die kath. Kirchengemeinde in Mettingen, an einem Sonntag in den Hl. Messen sowie in der Vorabendmesse im Rahmen der Predigten die künftige Schule für Körperbehinderte vorzustellen. Wenngleich ich für mich damit Neuland betrat, kam ich dieser Bitte gerne nach, zeigte sie doch, dass in Mettingen ein großes Interesse an dieser neuen Schule vorlag. Ich konnte neben den Ursachen und den vielfältigen Erscheinungsformen einer körperlichen Beeinträchtigung und die damit verbundenen Auswirkungen auf die soziale und emotionale Entwicklung eines jungen Menschen auch die Wünsche und Hoffnungen formulieren, die wir bzgl. der Integration in die Gemeinschaft der Mettinger Bevölkerung haben.

Der Standort unserer Schule im Zentrum der Gemeinde Mettingen und die wohlwollende Aufnahme durch die Menschen ermöglichen unseren Schülerinnen und Schülern bis heute vielfältige Kontakte, die für diese Zielsetzung wertvoll sind.

 

2. Aller Anfang ist schwer - im wahrsten Sinne des Wortes.

Am 1. Schultag wurden 7 Schülerinnen und Schüler der Schule für Körperbehinderte Münster in unsere Schule umgeschult, da sie nun im neuen Einzugsbereich der Mettinger Schule wohnten und ihnen aufgrund der Schwere ihrer Behinderung die lange Fahrt nach Münster nicht mehr zugemutet werden sollte.

Großes Problem: Der einzige Aufzug funktionierte auf einmal nicht. Die Folge war, dass alle Schülerinnen und Schüler die Treppe benutzen mussten - eine schweißtreibende Angelegenheit, besonders bei den älteren und somit auch schwereren Rollifahrern, die mit dem Rollstuhl getragen werden mussten. Alle 5 Lehrerinnen, die Krankengymnastin Irmgard Parascandola sowie die Schulsekretärin Maria Holtermann und der Hausmeister Erwin Etgeton packten mit an. Das Motto - "Gemeinsam sind wir stark" - bewahrheitete sich an diesem Tag in besonderer Weise.

 

3. Die Schulneulinge kommen

- Und jedem Anfang wohnt ein Zauberer inne

Als die Schulneulinge am nächsten Tag eingeschult wurden, funktionierte der Aufzug wieder und wir konnten ihnen und ihren Eltern einen schönen Schultag bereiten - natürlich mit dem Kasperle-Spiel "Kasper kommt in die Schule", das während meiner gesamten Schulzeit für die Schulneulinge aufgeführt wurde: Auf dem Weg zur Schule trödelt Kasper herum und läuft, entgegen Großmutters Verbot, doch den kürzeren Weg durch den Zauberwald, in dem der böse Zauberer wohnt, der Kasper beim Zusammentreffen in ein Krokodil verwandelt. Großmutter - von der Schule informiert, dass Kasper noch nicht da ist - läuft voll böser Ahnungen in den Zauberwald, wo sie ein verzweifeltes Kasper-Krokodil findet. Sie rufen unter Mithilfe aller Kinder nach dem Zauberer, der auf Großmutter einschmeichelnder Bitten Kasper wieder zurück verwandelt. Da Großmutter seine Zauberkünste sehr lobt, lässt sich der Zauberer überreden, und zaubert für jeden Schulneuling ein Papierherzchen mit dem jeweiligen Namen des Kindes zum Umhängen (Was nicht nur die Kinder erfreute, sondern auch für die Mitarbeiter sehr hilfreich war.)

Da einige Schulanfänger Schultüten mitbrachten (z.T. sehr große, die die Kinder kaum tragen konnten, kleinere oder gar keine Tüten) wurden die Eltern der nachfolgenden Jahrgänge gebeten, Schultüten zu Hause zu verschenken. Stattdessen zauberte der Zauberer für jedes Kind eine Schultüte mit kleinen Süßigkeiten und Wachsmalstiften.

Bis zu ihrer Entlassung 10/99 spielte Sybille Flockenhaus die Großmutter und fand in Gunhild Diekmann eine ebenbürtige Nachfolgerin.

- Elmar, der rosarote Elefant

Im anschließenden Unterricht las ich den Kindern die Geschichte von Elmar, dem rosaroten Elefanten vor. Elmar war sehr traurig, weil er anders aussah als die anderen Elefanten. Er wurde deshalb von den anderen Tieren oft gehänselt.

Bis die anderen Elefanten auf die Idee kamen, einmal im Jahr einen Elmar-Tag zu veranstalten. Sie spritzten sich mit ihren langen Rüsseln mit bunter Farbe an und feierten ein großes Fest. Von da an hatte Elmar ganz viele Freunde. Anschließend konnte jedes Kind mit Wachsmalstiften eine Elmarschablone ausmalen, so dass eine bunte Elefantenherde das Klassenzimmer schmückte.

 

4. Gemeinsames Frühstück

Da wir anfangs nur wenige Schülerinnen und Schüler waren, schlug Sybille Flockenhaus vor, doch jede Woche mit einer gemeinsamen Frühstückspause zu beginnen. So traf sich also die kleine Schulgemeinde an den Montagen unten im Flur des Untergeschosses (vor der Küche, dem Lehrerzimmer und der Verwaltung), wo Sybille mit ihrer Klasse schon Tische zusammengestellt hatte, die mit einer rotgrundigen Wachsdecke versehen waren. Als die Schülerzahl sich im Laufe der Zeit vergrößerte, wurde nur noch bei besonderen Anlässen zusammen gefrühstückt: Adventszeit, Nikolausfeier, Weihnachtsfeier, Karneval...

 

5. Schneewittchen

Der kleine Vorraum im Untergeschoss vor dem Hausmeisterzimmer wurde anfangs auch genutzt für Schüleraufführungen. Die erste wurde initiiert von Gunhild Diekmann: Schneewittchen und die 7 Zwerge. Diese Aufführung ist mir in Erinnerung geblieben, weil alles so gut geklappt hat, und auch, weil der Schüler Dirk Kortehaneberg über sein Outfit als Schneewittchen mit weißem Umhang und schwarzgelockter Perücke in lautes Begeisterungsjauchzen ausbrach. Am 18. 12. 1980 führte die Klasse das Stück bei Bögel-Windmeier für die Eltern und andere Gäste auf.

Diese Aufführung war der Startschuss für viele weitere Theaterstücke in den Jahren darauf, viele initiiert durch Maria Lohle und -verbunden mit Musicals- durch Maria Skopnik, allesamt mit großem Erfolg.

 

Alle Ereignisse in diesem 1. Jahr gelangen durch die Tatkraft, Einsatzbereitschaft, Kreativität und den Zusammenhalt aller Mitarbeiter. Diese Eigenschaften kennzeichneten die ganzen Jahre meines Schullebens in Mettingen.